B3 ist der aufwändigste Teil eures VSME-Berichts. Energieverbrauch in MWh, Emissionen in Tonnen CO2.
Das klingt nach Klimawissenschaft. Ist es aber nicht. Ihr braucht vier Rechnungen und eine Strom-Abrechnung.
- Scope 1: Direkte Emissionen (eure Heizung, euer Fuhrpark). Ihr verbrennt etwas → Scope 1.
- Scope 2: Strom und Fernwärme. Jemand anderes verbrennt etwas für euch → Scope 2.
- Scope 3: Im VSME Basis-Modul nicht nötig. Erst im Comprehensive relevant.
- Tools: ecocockpit (IHK, kostenlos) oder der VSME-Guide THG-Rechner.
- Aufwand: 2-4 Stunden, wenn die Abrechnungen vorliegen.
Was der VSME bei B3 verlangt
Offenlegung B3 fordert drei Angaben:
- Gesamtenergieverbrauch in MWh (Strom + Gas + Heizöl + Fuhrpark)
- Scope-1-Emissionen in Tonnen CO2-Äquivalent (direkte Verbrennung)
- Scope-2-Emissionen in Tonnen CO2-Äquivalent (eingekaufte Energie)
Dazu die THG-Intensität: eure Emissionen pro Mio. EUR Umsatz.
Das rechnet der VSME-Standard explizit vor (Paragraph 31). Division, keine Raketenwissenschaft.
Auch wenn ihr 100% Ökostrom bezieht, rechnet mit dem DE-Faktor. Den market-based Wert dürft ihr freiwillig zusätzlich angeben.
Aktuelle Emissionsfaktoren (2024/2025)
Scope 1 – Direkte Emissionen
Diese Faktoren gelten für eure direkten Verbräuche vor Ort. Stand: 2024/2025.
| Energieträger | Faktor | Quelle |
|---|---|---|
| Erdgas | 0,201 kg CO2/kWh | EBeV 2030 |
| Heizöl | 2,68 kg CO2/Liter | EBeV 2030 |
| Diesel (Fuhrpark) | 2,65 kg CO2/Liter | KBA/Helmholtz |
| Benzin (Fuhrpark) | 2,37 kg CO2/Liter | KBA/Helmholtz |
Scope 2 – Indirekte Emissionen
Für eingekauften Strom und Fernwärme gelten diese Faktoren.
| Energieträger | Faktor | Bezugsjahr |
|---|---|---|
| Strom (DE-Mix) | 0,363 kg CO2/kWh | 2024 (UBA) |
| Fernwärme (DE-Durchschnitt) | ~0,316 kg CO2/kWh | 2024 (UBA/AGFW) |
Der Strom-Emissionsfaktor sinkt seit Jahren. 2022: 0,434 → 2023: 0,386 → 2024: 0,363 kg/kWh.
Nutzt immer die aktuellsten Werte vom Umweltbundesamt.
Rechenbeispiel: Weber Maschinenbau (85 MA)
| Posten | Verbrauch | Rechnung | tCO2 |
|---|---|---|---|
| Strom | 180.000 kWh | 180.000 × 0,363 / 1.000 | 65,3 |
| Erdgas (Heizung) | 120.000 kWh | 120.000 × 0,201 / 1.000 | 24,1 |
| Diesel (3 Transporter) | 8.200 Liter | 8.200 × 2,65 / 1.000 | 21,7 |
| Benzin (2 PKW) | 2.400 Liter | 2.400 × 2,37 / 1.000 | 5,7 |
| Gesamt | 116,8 tCO2 |
THG-Intensität: Weber macht 12 Mio. EUR Umsatz.
116,8 tCO2 / 12 = 9,7 tCO2 pro Mio. EUR.
Kostenlose Tools
| Tool | Was es kann | Für wen |
|---|---|---|
| ecocockpit (IHK) | Scope 1-3, GHG-Protocol-konform, automatische Umrechnung | KMU, die eine vollständige Bilanz wollen |
| VSME-Guide THG-Rechner | Schnelle Scope 1+2 Berechnung, VSME-konform | KMU, die nur B3 ausfüllen wollen |
| UBA Emissionsfaktoren | Excel mit allen aktuellen Faktoren, jährlich aktualisiert | Für manuelle Berechnung |
Unser Rat: ecocockpit für die erste vollständige Bilanz. Daten einmal eingeben, jedes Jahr aktualisieren.
5 Fehler, die fast jedes KMU macht
- Ökostrom mit 0 ansetzen. Der VSME verlangt location-based. Euer Ökostrom-Vertrag ändert nichts am Emissionsfaktor.
- Heizwert und Brennwert verwechseln. Erdgas wird oft in kWh Brennwert (Hs) angegeben. Der Emissionsfaktor gilt aber für Heizwert (Hi). Differenz: ca. 10%.
- Fuhrpark vergessen. Die drei Firmentransporter gehören zu Scope 1. Nicht nur Heizung und Strom.
- Scope 3 einrechnen. Dienstreisen mit Privat-PKW, Mitarbeiter-Pendelverkehr, Lieferkette. Das gehört nicht ins Basis-Modul.
- Fernwärme-Faktor googeln. Fernwärme schwankt regional zwischen 100 und 470 g CO2/kWh. Fragt euren Anbieter nach dem konkreten Faktor.
Checkliste: CO2-Bilanz erstellen
Diese Daten braucht ihr für eure CO2-Bilanz:
- Stromabrechnung: kWh Jahresverbrauch
- Gasabrechnung: kWh Jahresverbrauch (Heizwert prüfen!)
- Heizöl-Lieferscheine: Liter pro Jahr
- Fuhrpark: Liter Diesel/Benzin pro Jahr (Tankkarten)
- Fernwärme: kWh + Emissionsfaktor beim Anbieter anfragen
- Alles addieren → Gesamtemissionen in tCO2
- Durch Umsatz in Mio. EUR teilen → THG-Intensität
Die CO2-Bilanz ist der Teil, der am meisten einschüchtert. Und am schnellsten erledigt ist, wenn die Abrechnungen vorliegen.
Vier Multiplikationen, eine Addition. Die Zahlen habt ihr. Die Faktoren stehen oben.
Und nebenbei: Wer die eigenen Emissionen kennt, findet auch die größten Einsparpotenziale. Oft lassen sich Energie und Kosten gleichzeitig senken.
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